LinkedIn Profil optimieren: Der Bauplan für deine Personenmarke

LinkedIn Profil optimieren: Der Bauplan für deine Personenmarke

Die meisten Profile sind für niemanden geschrieben.

Nicht für Menschen, weil sie in Stichpunkten stehen und keine Frage beantworten. Nicht für die Suche, weil die entscheidenden Begriffe fehlen. Sie sind für ein Bewerbungsverfahren geschrieben, das 2014 stattgefunden hat.

Dabei ist ein LinkedIn-Profil das einzige Stück Text im Berufsleben, das rund um die Uhr arbeitet. Es wird gelesen, bevor jemand anruft, bevor jemand sich bewirbt und bevor jemand entscheidet, ob sich ein Gespräch lohnt.

Kurz gefasst: Ein LinkedIn-Profil hat zwei Leser: einen Menschen, der wenige Sekunden bleibt und eine Suchfunktion, die nach Begriffen sortiert. Profilslogan, Info-Bereich und Kenntnisse bedienen beide gleichzeitig. Entscheidend ist nicht die Vollständigkeit, sondern die Reihenfolge: Die ersten sichtbaren Zeichen jedes Feldes tragen die Last, alles danach wird nur von Interessierten gelesen.

Inhalt

  1. Dein Profil hat zwei Leser
  2. Gefunden werden, bevor du gelesen wirst
  3. Der Profilslogan: 220 Zeichen, von denen 70 zählen
  4. Der Info-Bereich: 2.600 Zeichen und zwei sichtbare Zeilen
  5. Berufserfahrung: das größte ungenutzte Feld
  6. Kenntnisse: der unterschätzte Rankingfaktor
  7. Im Fokus: 50 Plätze, drei davon sichtbar
  8. Titelbild und Profilbild
  9. Empfehlungen
  10. Die Prüfung, die fast niemand macht
  11. Was du weglassen kannst
  12. Häufige Fragen

1. Dein Profil hat zwei Leser

Der erste Leser ist ein Mensch. Er kommt von einem Beitrag oder einem Kommentar, ist mäßig neugierig und bleibt wenige Sekunden. Er sucht eine Antwort auf eine einzige Frage: Ist das jemand, mit dem ich reden will.

Der zweite Leser ist eine Suchfunktion. LinkedIn sortiert Profile nach Begriffen, die in bestimmten Feldern stehen. Google indexiert öffentliche Profile zusätzlich und zeigt sie an, wenn jemand deinen Namen eingibt.

Diese beiden Leser wollen unterschiedliche Dinge. Der Mensch will einen Satz, den er versteht. Die Suche will Begriffe, die zu einer Anfrage passen. Wer nur für den einen schreibt, verliert den anderen.

Die gute Nachricht: Der Konflikt ist kleiner, als er klingt. Ein Satz wie „Ich helfe Maschinenbauern im Mittelstand, ihre Ersatzteilprozesse zu digitalisieren“ enthält vier Suchbegriffe und liest sich trotzdem wie ein Mensch. Was nicht funktioniert, ist die Aneinanderreihung von Begriffen ohne Satzbau. Die liest kein Mensch und die Suche belohnt sie längst nicht mehr so, wie es einmal war.

Dieser Text setzt voraus, dass du weißt, wofür du stehen willst. Falls nicht, fang bei der Richtung an, nicht beim Profil. Wie das geht, steht in unserem Leitfaden zu Personal Branding auf LinkedIn.

2. Gefunden werden, bevor du gelesen wirst

Zwei Wege führen zu deinem Profil, die nichts mit deinen Beiträgen zu tun haben.

Die LinkedIn-Suche. Recruiter, Einkäufer und Vertriebler suchen dort nach Rollen und Fachbegriffen. Welche Profile erscheinen, hängt unter anderem davon ab, welche Begriffe in Profilslogan, Info-Bereich, Positionsbezeichnungen und Kenntnissen stehen. Es reicht also nicht, dass du etwas kannst. Es muss in einem dieser Felder benannt sein.

Google. Öffentliche LinkedIn-Profile werden indexiert. Wer deinen Namen sucht, landet in vielen Fällen zuerst auf LinkedIn, oft noch vor der Website deines Arbeitgebers. Für Menschen ohne eigene Website ist das Profil damit die wichtigste Seite über sie im Netz.

Zwei Einstellungen, die dafür geprüft gehören und die in fünf Minuten erledigt sind:

  • Öffentliche Profilsichtbarkeit. In den Einstellungen lässt sich festlegen, welche Bereiche außerhalb von LinkedIn sichtbar sind. Steht das auf eingeschränkt, findet Google nichts.
  • Eigene Profil-URL. Standardmäßig hängt eine Zeichenfolge hinter deinem Namen. Diese lässt sich in eine saubere Adresse ändern, die man in eine Signatur schreiben kann.

3. Der Profilslogan: 220 Zeichen, von denen 70 zählen

Der Profilslogan ist das meistgelesene Feld deines gesamten Profils, weil er überall mitläuft: unter jedem Beitrag, unter jedem Kommentar, in jedem Suchergebnis, in jeder Kontaktanfrage.

Wie viele Zeichen hat der LinkedIn-Profilslogan?: Der Profilslogan erlaubt 220 Zeichen am Desktop und 240 in der mobilen App. Sichtbar sind in mobilen Ansichten allerdings nur rund 70 Zeichen, danach wird abgeschnitten. Die ersten 70 Zeichen sollten deshalb allein tragfähig sein.

Daraus folgt eine klare Bauweise. In die ersten rund 70 Zeichen gehört, für wen du welches Problem löst. In den Rest gehören die Begriffe, unter denen man dich suchen würde.

Was in den ersten 70 Zeichen nichts verloren hat: deine Firma, dein Titel, Auszeichnungen, Emojis als Trenner. Das kommt später oder gar nicht.

Ein einfacher Test: Deck den Slogan nach 70 Zeichen ab. Steht dort immer noch, was du tust und für wen? Wenn nicht, umbauen.

4. Der Info-Bereich: 2.600 Zeichen und zwei sichtbare Zeilen

Der Info-Bereich erlaubt 2.600 Zeichen. Sichtbar sind ohne Klick nur die ersten Zeilen. Alles andere liest, wer sich bereits entschieden hat weiterzulesen.

Deshalb gehört in die erste Zeile nicht deine Vorgeschichte, sondern ein Grund weiterzulesen. Eine Beobachtung, eine Zahl, ein Satz mit Reibung.

Eine Struktur, die sich bewährt hat:

AbschnittUmfangInhalt
Aufhänger2 ZeilenDas Problem deiner Zielgruppe, in ihren Worten
Einordnung3 bis 5 ZeilenWie du es angehst und woran du glaubst
Beleg3 bis 5 ZeilenWomit du arbeitest, für wen, mit welchem Ergebnis
Begriffe2 bis 3 ZeilenThemen und Leistungen, unter denen man dich sucht
Kontakt1 ZeileWie man dich erreicht und wofür

Zwei Regeln dazu. Schreib in ganzen Sätzen, nicht in Stichpunkten. Der Info-Bereich ist der einzige Ort im Profil, an dem sich Persönlichkeit zeigen lässt und Stichpunkte haben keine Persönlichkeit. Und schreib in der ersten Person. Über sich in der dritten Person zu sprechen wirkt auf LinkedIn ungewollt distanziert.

5. Berufserfahrung: das größte ungenutzte Feld

Für die Beschreibung jeder Position stehen bis zu 2.000 Zeichen zur Verfügung. Bei den meisten Profilen steht dort nichts.

Das ist aus zwei Gründen teuer. Erstens sind diese Felder für die Suche relevant, weil dort Fachbegriffe stehen, die sonst nirgends im Profil auftauchen. Zweitens beantworten sie die Frage, die ein Mensch nach dem Info-Bereich stellt: Und was hast du davon schon einmal wirklich gemacht?

Drei bis fünf Zeilen pro Position reichen. Nicht die Aufgabenbeschreibung aus dem Arbeitsvertrag, sondern das, was in dieser Rolle entstanden ist. Der Titel selbst ist auf 100 Zeichen begrenzt, was Raum für eine Präzisierung lässt, wenn die offizielle Bezeichnung nichtssagend ist.

Für Führungskräfte gilt dabei eine Besonderheit, die mit der Sichtbarkeit gegenüber dem Arbeitgeber zusammenhängt. Was dabei zu beachten ist, steht in unserem Beitrag zu Personal Branding für Führungskräfte.

6. Kenntnisse: der unterschätzte Rankingfaktor

Kenntnisse wirken wie ein Überbleibsel aus der Frühzeit der Plattform. Sie sind es nicht.

Sie sind eines der Felder, in denen LinkedIn strukturiert erfasst, was du kannst und sie fließen in die Sortierung von Suchergebnissen ein. Jede einzelne Kenntnis darf bis zu 80 Zeichen lang sein, was deutlich mehr Präzision erlaubt als das übliche Einwortformat.

Zwei Empfehlungen dazu:

  • Wähl nach Suchverhalten, nicht nach Können. Die Frage ist nicht, was du alles beherrschst, sondern mit welchem Begriff jemand nach dir suchen würde. „Vertrieb“ ist beides. „Microsoft Office“ ist keines von beidem.
  • Sortier die drei wichtigsten nach oben. Nur die ersten werden ohne Klick angezeigt und sie erscheinen auch in der Vorschau bei Suchergebnissen.

Bestätigungen durch Kontakte helfen bei der Glaubwürdigkeit. Sie zu sammeln lohnt sich für die drei oberen Einträge, für den Rest kaum.

7. Im Fokus: 50 Plätze, drei davon sichtbar

Der Bereich „Im Fokus“ nimmt bis zu 50 Einträge auf. Angezeigt werden davon nur die ersten zwei bis drei, alles andere liegt hinter einem Klick.

Das macht ihn zum einzigen Ort im Profil, an dem du steuerst, was jemand als Erstes von dir liest. Genutzt wird er selten und wenn, dann falsch: mit den erfolgreichsten Beiträgen statt mit den erklärendsten.

Was auf die ersten drei Plätze gehört:

  • Ein Beitrag, der deine Position am deutlichsten zeigt, auch wenn er wenig Reaktionen hatte
  • Ein Beleg für deine Arbeit: ein Fachartikel, ein Podcast, eine Referenz
  • Ein Weg weiter: die Leistungsseite, ein Terminlink, ein Newsletter

Für Geschäftsführer lohnt an dieser Stelle besonders der Blick auf LinkedIn für Geschäftsführer, weil dort steht, welcher nächste Schritt tatsächlich zu Terminen führt. Neben Beiträgen lassen sich hier auch Dokumente und Links hinterlegen. Ein einseitiges PDF, das deine Arbeitsweise erklärt, funktioniert an dieser Stelle oft besser als jeder Beitrag.

8. Titelbild und Profilbild

Das Titelbild ist die größte Fläche im Profil und in den meisten Fällen leer oder mit einem Standardmotiv gefüllt. Das übliche Format liegt bei 1584 mal 396 Pixeln.

Zu beachten ist, dass das Profilbild in der Desktopansicht die linke untere Ecke überdeckt und die mobile Ansicht seitlich beschneidet. Alles Wichtige gehört deshalb in die Mitte, nicht an den Rand.

Was hineingehört: ein Satz, der sagt, wofür du stehst. Was nicht hineingehört: ein Firmenlogo ohne Kontext, ein Stockfoto einer Skyline, deine gesamten Kontaktdaten.

Beim Profilbild zählt vor allem eines: dass es aktuell ist und dass dein Gesicht groß genug ist, um in der Kreisansicht erkennbar zu bleiben. In Kommentaren wird es sehr klein dargestellt.

9. Empfehlungen

Empfehlungen sind der einzige Teil deines Profils, den du nicht selbst schreibst. Genau deshalb wiegen sie schwerer als alles andere.

Bis zu 3.000 Zeichen sind pro Empfehlung möglich. Drei bis fünf gute reichen völlig aus, mehr liest niemand.

Der Grund, warum die meisten Profile keine haben, ist nicht fehlende Zufriedenheit auf Kundenseite. Es ist, dass niemand fragt. Und wenn gefragt wird, dann so offen, dass die Antwort Arbeit macht.

Was besser funktioniert: eine konkrete Bitte mit Richtung. Nenn die Zusammenarbeit, um die es geht und eine Frage, an der sich der andere entlanghangeln kann. Etwa: Woran hat sich für euch gezeigt, dass es funktioniert hat? Aus einer offenen Bitte wird damit eine Aufgabe von fünf Minuten.

10. Die Prüfung, die fast niemand macht

Dein Profil sieht für dich anders aus als für alle anderen. Du siehst Bearbeitungsfelder, Hinweise und Bereiche, die für Fremde gar nicht sichtbar sind.

Deshalb gehört ans Ende jeder Überarbeitung ein Durchgang aus fremder Perspektive. LinkedIn bietet dafür eine Vorschau an, mit der sich das Profil so ansehen lässt, wie es Personen außerhalb deines Netzwerks sehen.

Vier Fragen dabei:

  • Ist nach den ersten sichtbaren Zeilen klar, für wen ich welches Problem löse?
  • Steht irgendwo ein Fachbegriff, unter dem man mich suchen würde?
  • Gibt es einen erkennbaren nächsten Schritt?
  • Klingt das nach einem Menschen oder nach einem Datenblatt?

Zusätzlich lohnt der Blick auf die mobile Ansicht. Ein erheblicher Teil der Profilaufrufe passiert am Telefon und dort greifen die Kürzungen, die am Desktop nicht auffallen.

11. Was du weglassen kannst

Ein Profil wird nicht besser, indem jedes Feld gefüllt ist.

Weglassen kannst du in aller Regel: Kurse und Zertifikate ohne Bezug zu deinem heutigen Thema, Sprachkenntnisse auf Schulniveau, Interessen, Vereinsmitgliedschaften ohne fachlichen Bezug, Stationen von vor mehr als fünfzehn Jahren in voller Länge.

Der Grund ist nicht Ästhetik. Jedes zusätzliche Feld verlängert den Weg zur eigentlichen Aussage und der Leser ist nach wenigen Sekunden weg.

Eine Ausnahme gilt für alles, was einen Fachbegriff enthält, unter dem gesucht wird. Ein Zertifikat, das in Ausschreibungen deiner Branche vorkommt, bleibt drin, auch wenn es alt ist.

12. Häufige Fragen

Wie oft sollte ich mein LinkedIn-Profil überarbeiten?

Einmal jährlich vollständig und immer dann, wenn sich dein Thema verschiebt. Kleine Anpassungen am Profilslogan lohnen sich häufiger, weil er das meistgelesene Feld ist.

Merken meine Kontakte, wenn ich mein Profil ändere?

Nur wenn du es willst. In den Einstellungen lässt sich festlegen, ob Profiländerungen im Netzwerk angezeigt werden. Vor einer größeren Überarbeitung ist es sinnvoll, das vorübergehend abzuschalten.

Soll ich mein Profil auf Deutsch oder Englisch führen?

In der Sprache deiner Zielgruppe. Wer überwiegend im deutschsprachigen Raum arbeitet, fährt mit Deutsch besser. LinkedIn erlaubt zusätzlich Profilversionen in weiteren Sprachen, die je nach Spracheinstellung des Betrachters ausgespielt werden.

Brauche ich ein professionelles Fotoshooting?

Nein. Ein aktuelles, gut belichtetes Bild mit ruhigem Hintergrund reicht. Wichtiger als die Produktion ist, dass du darauf aussiehst wie im Gespräch.

Hilft der Creator Mode beim Profil?

Er verändert vor allem die Anordnung: Beiträge rücken nach oben, aus der Kontaktschaltfläche wird ein Folgen-Button. Sinnvoll für alle, die regelmäßig veröffentlichen. Für ein Profil ohne Beiträge bringt er nichts.

Was bringt LinkedIn Premium für die Profiloptimierung?

Zusätzliche Daten darüber, wer dein Profil aufgerufen hat und erweiterte Suchfunktionen. Auf die Wirkung des Profils selbst hat Premium keinen Einfluss.

Sollte ich Emojis im Profil verwenden?

Sparsam und nie in den ersten sichtbaren Zeichen. Sie fressen Platz, der für Inhalt gebraucht wird und werden von Vorlesefunktionen umständlich wiedergegeben.

Wie wichtig ist die Vollständigkeitsanzeige von LinkedIn?

Als Erinnerung nützlich, als Ziel irreführend. Sie misst gefüllte Felder, nicht Verständlichkeit. Ein knappes, klares Profil schlägt ein vollständiges ohne Aussage.


Du hast dein Profil überarbeitet und bist dir nicht sicher, ob es ankommt? Unter LinkedIn as a Service gehen wir es gemeinsam durch, aus der Sicht der Menschen, die du erreichen willst.